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Drehmomentrakete aus den wilden 70ern

Den Motor entliehen die Konstrukteure
in der Basis der mächtigen Staatslimousine 600, die einem Rolls-Royce im Renommee und
Luxus in nichts nachstand: Aus gigantischen 6.834 Zentimetern Hubraum wrang er
rekordverdächtige 550 Nm. Zu seiner Zeit war dies absoluter PKW-Rekord und ist im
Autoquartett noch immer genug, um gegen einen aktuellen S500 den entscheidenden Stich zu
erzielen. Sportliche Werte, die manch einer kaum hinter der im „Stuttgarter Spätbarock“
gehaltenen Fassade vermuten würde, auch wenn das Fahrzeug damals mit einem Grundpreis
von 70.000 Mark den Gegenwert einer Eigentumswohnung repräsentierte. Für alle, die mit der
geballten Power nicht ganz so hinter dem Berg halten wollten, bot Sportservice Lorinser
schon damals die Extraportion Ãœberholprestige. Ein entsprechendes Fahrzeug mit
zeitgenössischem Tuning präsentiert der schwäbische Veredler aktuell im Classic Center
seines Autohauses in Waiblingen.

Während der W116 in der Werksversion noch ein typisches 70er Jahre Auto war, gelang mit
dem Optikpaket von Lorinser der Schulterschluss zur Moderne. Die schmalen
Chromstoßstangen, welche die Karosserie trotz ihrer faktischen Größe schlank und flach
wirken ließen ersetzen die Techniker durch breite, eckige Kunststoffschürzen an Front und
Heck. Fast scheint es so, als ob der Frontspoiler mit dem Renngittereinsatz und den
integrierten Nebelscheinwerfern Mercedes als Vorbild für die Gestaltung der nächsten
S-Klasse mit dem Werkscode W126 gedient hätte. An den Flanken schlagen massive
Seitenschweller den Bogen zum Heck, das durch eine neue Heckschürze ebenfalls an
Volumen gewonnen hat und auf dessen linker Seite ein massiver Doppelrohrauspuff von
Lorinser prangt. Ein beherzter Tritt aufs Gaspedal und man vernimmt das Schnauben von
286 Pferden (210 kW), die den Galopp auf Tempo 100 über eine Dreigangautomatik in
7,4 Sekunden bewältigen.

Leider limitieren die für heutige Maßstäbe schlanken Reifen im
Format von 205/55 VR 16 die Traktion ein wenig. Dafür sind die Multispeichenfelgen eine
echte Augenweide: Sie stammen aus dem Hause BBS, da Lorinser in den 70er Jahren noch
keine eigenen Räder anbot. Maximal erlaubt der Achtzylinder, der wie echte Sportwagen über
eine Trockensumpfschmierung verfügt, 225 Sachen – dann sind Fahrwiderstände und Vortrieb
im Einklang. Harmonisch gibt sich auch die Hydropneumatische Federung des S-Klasse, die
auf einem französischen Patent basiert. Schnelle Kurven nimmt der große Mercedes für sein
Alter überaus gelassen und er lässt sich mit dem griffigen Lorinser Lenkrad überraschend flink
dirigieren. Ein Auto, das somit nicht nur zum vorsichtigen Cruisen einlädt.
Wer nun auf den Geschmack gekommen ist, kann den gezeigten 450 SEL 6.9 nicht nur
bewundern, sondern auch käuflich erwerben.

Weitere Informationen gibt es im Internet unter www.lorinser.com