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Von getunten BMWs, flotten Zügen und surrealistischer Malerei

Interview mit Michele Viandante, AC Schnitzer Chefdesigner: Wer das Büro von Designer Michele Viandante bei AC Schnitzer in Aachen betritt, ist von den Eindrücken erst einmal überwältigt. Ãœberall hängen von ihm selbst gemalte Fahrzeugbilder, stehen liebevoll gestaltete Automodelle. Einige davon hat der Italiener sogar bewusst als „work in progress“ gestaltet, so dass man dort beispielsweise winzige Anbauteile als Tonmodellage sieht.

Viandante leitet die Designabteilung von AC Schnitzer seit der Gründung des Unternehmens 1987, eine Aufgabe, die ihn zu gleichen Teil fasziniert, inspiriert, aber auch fordert. Schon zu Beginn seiner Karriere vielfältig talentiert, hat er sich zu einem Multitalent und echtem Künstler weiterentwickelt. CAD- und Computer-Kenntnisse gehören heute genauso zu seinen Stärken wie ein umfangreiches Wissen über Aerodynamik, Kohlefaser und Kunststoffwerkstoffe, die Beherrschung von klassischem Claymodeling (Tonmodelle) sowie der zielsichere Umgang mit Stift und Pinsel. Ãœber die Malerei, sein persönliches Steckenpferd, sagt er, sie sei der innere Ausdruck, die Seele nicht nur technisch, sondern auch gestalterisch und surrealistisch zu entfalten. Doch Michele Viandante ist kein abgehobener Schöngeist aus dem Elfenbeinturm, sondern ein Mann, dem auch der Sinn für das Handwerkliche, Greifbare und Praktische nicht fehlt. So hat er bereits in seiner Jugend neben seiner Graveurs-Lehre Oldtimer restauriert. Jungen Talenten mit dem Berufswunsch Designer rät er, das Machbare nie aus den Augen zu verlieren. Ein Wunsch von Viandante verwundert vielleicht ein bisschen. Auch wenn die Passion für schnelle Automobile in ihm tief verwurzelt ist, möchte er einmal einen richtig edlen Zug entwerfen, „der ein völlig neues Gefühl vermittelt, mit der Bahn zu fahren.“